Bad Berneck - ein spannender Blick in die Erdgeschichte
Bad Berneck ist unter Experten bekannt für seine geologische Vielfalt. Wenige andere Orte haben auf vergleichbar kleiner Fläche einen solchen Reichtum an Gesteinen aus unterschiedlichen Zeitepochen und mit so abwechslungsreicher Entstehungsgeschichte. Es lassen sich drei Hauptbereiche unterscheiden, die allesamt in Bad Berneck auf engstem Raum zu bestaunen und erwandern sind.
Die neueste geologische Errungenschaft direkt in Bad Berneck sind neu entdeckte Felsenkeller, die zu einer kleinen Tropfsteinhöhle geworden sind. Die letzten Presseberichte dazu finden Sie hier.
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Das Bad Bernecker (Erdaltertum) Paläozoikum
Fünf ein halb der sieben Bad Bernecker Berge bestehen aus Diabas. Typisch dafür ist das enge Ölschnitztal der Oberstadt mit seinen markanten Felsen. Schon die mittelalterlichen Burgherren wussten die strategische Lage der aufragenden Felsformationen und steilen Hänge zu schätzen, ebenso wie die gebrochenen Steine als Baumaterial. Im großen Stile wird heute Diabas von den Hartsteinwerken Schicker und Küfner abgebaut und für Straßen und Schienenwege verwendet. Der Bad Bernecker Diabas ist im Erdaltertum (Paläozoikum), im Oberdevon, vor 370 bis 380 Millionen Jahre entstanden. Bad Berneck befand sich damals auf der Südhalbkugel der Erde am Nordrand eines riesigen Kontinents namens Gondwana. Am äußeren Schelfrand drang in einigen hundert Metern Wassertiefe basaltisches Magma an die Oberfläche des Meeresbodens. Das Zusammenspiel aus dem Druck der austretenden flüssigen Lava und dem schockhaften Abkühlen und Erstarren im Meerwasser bildete die wunderschönen, für Bad Berneck typischen runden Lava-Kissen, die herausgelöst aus dem Gesteinsverbund besonders beim Landschafts- und Gartenbau weit überregional so beliebt sind.
Vergesellschaftet mit den Diabasen anzutreffen sind Tuffe aus vulkanischer Asche sowie weitere Gesteinsformationen, die ebenfalls dem Oberdevon (v. a. im Gebiet von Bärnreuth) oder dem zeitlich darauf folgenden Karbon (südöstlich Hohenknoden) angehören. Nach Südosten geht das Bad Bernecker Paläozoikum, das große Ähnlichkeit mit den Gesteinen des Frankenwaldes hat, in die höher metamorphen, das heißt, bei der Variszischen Gebirgsbildung durch Druck und Temperatur umgewandelten Gesteine der "Phyllithülle" des Fichtelgebirges über (v. a. mit Gesteinen des Kambriums und Ordoviziums).
Die Münchberger Masse
Völlig andere Gesteine findet man dagegen auf dem Königstuhl, dem Galgenberg und weiter über die Geseeser Höhe bis zur Galgenleite und Kapf bei Goldkronach. Geologisch bezeichnet man dies als den Bernecker Gneiskeil. Er ist der Fortsatz der Münchberger (Gneis-) Masse, die sich zwischen Bad Berneck, Kupferberg und Hof ausdehnt und den Geologen immer wieder neue Rätsel aufgibt. Die Gesteine der Münchberger Masse stammen ebenfalls aus dem Erdaltertum, Teile vermutlich aber auch aus der Zeit davor, dem Präkambrium. Es sind hochmetamorphe Gesteine, die teilweise bei großer Gebirgsauflast (bis zu 50 km und mehr) aus Sedimenten und vulkanischen Gesteinen gebildet wurden. Charakteristisch für diese Gesteine ist ein oft gut sichtbares Zeilengefüge (Bänderung).
Im Zeitalter des Karbons, vor etwa 320 Millionen Jahren, kollidierte der große Kontinent Gondwana, die damalige "Süderde", mit dem nördlichen Kontinent Laurasia ("Norderde"). Als Folge entstand das sich über Tausende von Kilometern in der "Knautschzone" beider Kontinente erstreckende Variszische Gebirge, in dessen Kernzone das heutige Fichtelgebirge liegt. Durch die starke Einengung in der Kollisionszone wurden die Gesteinsserien der Münchberger Masse aus vielen Hundert Kilometern Entfernung über das Fichtelgebirge in ihre heutige Position geschoben, so dass heute völlig unterschiedliche Anteile des Variszischen Gebirges über- und nebeneinander liegen. Mit der Gebirgsbildung entstanden die Granite des Fichtelgebirges durch aufsteigende und sich langsam in den Gebirgskernen verfestigende Magmenschübe.
Das Bruchschollenland
Die dritte große geologische Einheit ist das relativ flache Vorland Richtung Westen, hier sind Sedimentgesteine aus dem Erdmittelalter zu finden (v. a. Trias). Diese Sedimentgesteine waren im Erdmittelalter bis zum Ende des Jura vor 135 Millionen Jahren flächendeckend auch über der Münchberger Masse, dem Bad Bernecker Paläozoikum und dem Fichtelgebirge zu finden. Sie wurden später jedoch hier wieder abgetragen.
Die Fränkische Linie
Die Kollision der afrikanischen Platte mit der von Europa, die sich zwischen 135 und etwa 20 Millionen Jahren vor heute abspielte, bewirkte die Auffaltung der Alpen und in unserer Gegend die Auflebung von Bewegungen der Erdkruste entlang der Fränkischen Linie. Diese gehört zu den bedeutendsten Bruchzonen in Mitteleuropa und lässt sich oberirdisch anhand der markanten Stufe in der Landschaft vom Bayerischen Wald bis zur Nordspitze des Thüringer Waldes verfolgen. An diesem Bruch schob sich der nordöstliche Block mit Frankenwald, Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald im schrägen Winkel über den südwestlichen. Die Anhebung, die bei Bad Berneck in der Summe mehr als 2000 Meter betrug, aber sehr langsam vor sich ging, wurde durch die gleichzeitige Erosion im Relief schon fast wieder ausgeglichen, so dass davon nur die heute noch sichtbaren 120 bis 150 Meter Höhenunterschied zu erkennen sind. Abgetragen wurden im nordöstlichen Block alle Gesteine des Erdmittelalters und auch Teile des Erdaltertums, so dass wir hier heute einen wunderbaren Einblick in die verschiedensten erdgeschichtlichen Formationen im Geopark Bayern-Böhmen haben.
Dr. Joachim Nedvidek, Geoparkranger, Bad Berneck
TIPP: die Geoparkranger Dr. Joachim Nedvidek und Gert Hartmann führen in unregelmüßigen Abständen geführte Erlebnistouren durch. Termine und weitere Informationen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender und unter Geopark Bayern



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